Berlin, Berlin, wir waren in Berlin
Die Vorhut
Eigentlich wussten wir es ja alle. Wer sich Raw nennt, wird auch raw sein. Deswegen haben wir am Donnerstag vor dem eigentlichen Probenwochenende schon einen Spähtrupp losgeschickt, um die Lage zu erkunden und die Truppe mit Ausrüstungstipps zu versorgen. Wie die KSK in Afghanistan. Nur, dass die vorher wahrscheinlich gegen eventuell auftretende Krankheiten geimpft waren.
Die Vorhut wurde durchaus freundlich empfangen: "Früher hier mal schlafen 2 Mark, jetzt wahrscheinlich 20 Euro. Fragen hinten. Einer aber passen auf euren Sachen auf". Wenigstens kümmerte man sich um uns. Wir wurden dem Big Boss des Raw-Tempel vorgestellt, der uns - in enger Zusammenarbeit mit seinen Hunden - gleich mal durch unser neues Domizil geführt hat.

Der Tempel
Ok, es riecht etwas nach Hund, die Matratzen sind dreckig (Ike: "sind aber frisch gelüftet"), die eine Dusche teilen wir mit gefühlten 20 Ska-Bands aus allen Ecken Europas (stark vertreten Italien und Tschechien) und die Tür lässt sich von Innen nur durch das Verbarrikadieren mit Lattenrosten verschließen, aber wir wollen mal nicht so sein. Für 5 € die Nacht in der Hauptstadt, nimmt man das in Kauf. Außerdem haben wir ja von Ike noch frische Bettlaken bekommen. Das machte das ganze erträglich.
Die Ankunft
Die Ankunft der Truppe wurde für Freitag zwischen 12 und 22 Uhr erwartet. Der Miles-High-Club etwas früher, der Bayern-Express etwas später. Die erste Runde Berliner Weisse (überwiegend Grün) wurde sogleich beim gegenüberliegenden Italiener genossen. Nachdem alle vorgewarnt waren, viel der Schock bzgl. des Tempels (s.o.) nicht mehr so heftig aus wie beim Spähtrupp. Am Freitagabend ging's zu White Trash Fastfood. Bei Fuck you Fries und S&M-Nachos läuteten wir einen viel versprechenden Abend ein, der anschließend in der Hauseigenen Karaoke-Bar, sowie nebenan bei Livemusik seinen Lauf . Die Fangesänge auf den VfB-Stuttgart in der Karaoke Bar, waren dann wohl mitursächlich, dass einer von uns am nächsten Tag mit blauem Auge aufwachte und nicht mehr so recht wusste wo das herkam.
Die Kreativität
Den nächsten Tag starteten wir mit leckerem Frühstück ("Pipi geh mal zum Kaisers"), das in uns die Kreativität nur so weckte. Zwischen Graffiti-Wänden, Hunden und G8-Gegnern liefen wir zur Höchstform auf. Das neue Stück war innerhalb eines Vormittags im Kasten. Der Nachmittag wurde - traditionell - für mehr oder weniger sinnvolle Diskussionen geopfert. Fan-Shirt grün oder rot oder gelb, mit oder ohne; vor dem Reichstag die Leute belustigen, oder auch nicht; Tweety ja / nein / vielleicht; Marketenderinnen raus oder rein - oder beides; Homepage auf dem Stand von 2003, 2006 oder 2007; Film beschnitten oder unbeschnitten ins Kino (Erörterung der weiteren Berufsaussichten gewisser Darsteller).
Der Auftritt
Den es eigentlich gar nicht gab. Trotzdem waren wir beim Fototermin vor dem Brandenburger Tor die Attraktion. Wenn wir nicht gerade für G8-Gegner gehalten wurden (Verhaftungen blieben aus), dann wurden wir gefragt, ob wir nicht in Prag, Paris, New York oder Singapur spielen wollen. Anreise würde er (wohl auf Drogen) auch zahlen. Die Fotos sind wohl gut geworden (munkelt man, gesehen hat sie noch niemand) und sollen an einem geheimen Ort an Schützen ausgestellt werden. Wir dürfen gespannt sein. Gespannt sein durften wir auch, welche Krankheiten wir uns im RAW-Tempel eingefangen haben (Inkubationszeiten von mehreren Wochen sind bei tropischen Erkrankungen keine Seltenheit, Anm. d. Gaylords). Bis auf Fußpilz bei einigen Personen, die sich gegen das Tragen der traditionellen Feger-Kluft für Fremdduschen (Adiletten, Anm. d. Red.) ist bisher aber zum Glück nichts bekannt.